Auszüge der Veröffentlichung von Heinrich Fleißig im Jahre 1964,

zusammengestellt im Jahre 2002 von Albert Schneider.

Allgemeines
Das Dorf Oberveischede gehört seit der kommunalen Reform zur Stadt Olpe. Geographisch
liegt es in der Mitte des Kreises Olpe, im Tal der Veischede. Die Veischede ist ein kleines
Gewässer aus einer Quelle am Feldberg, das nach einer Länge von 16 km und einem Gefälle
von 260 Metern bei Grevenbrück in die Lenne mündet. Der Ortsname ist dem Gewässer
entlehnt. Oberveischede liegt 440 Meter über dem Meeresspiegel, die umgebenden Berge
steigen bis 640 Meter auf.

Altertum
Der früheste Beweis der Anwesenheit der Menschen im Bereich des Tales oder Ortes liegt in
dem von mir 1941 gemachten Pfund eines steinzeitlichen Gerätes aus kristallinem Schiefer.
Es handelt sich um einen Schaber, dem primitiven Vorläufer unseres heutigen Hobels, der
seiner Bearbeitung nach in die Kulturstufe des Aurignacien gehört, einer Kultur, deren Träger
in der späten Eiszeit etwa 20 bis 7000 vor Christus hier lebten. Bei Ausschachtungen in der
Dortmitte fand ich 1939 in einer Tiefe von einem Meter zwei Feuerstellen. Die Fundumstände
deuten analog anderer ähnlicher Funde auf ein Freilandlager aus der Zeit von etwa 10.000
vor Christus hin.

Mittelalter
Die in der Gemarkung Oberveischede bisher ausgegrabenen Rennfeueröfen zum Schmelzen
von Eisenerz stammen allerdings frühestens aus dem frühen Mittelalter, was aber nicht
dagegen spricht, daß schon vorherige Anlagen dieser Art bestanden haben. Innerhalb der
Dorfmark wurden 22 Verhütungsstellen festgestellt. Eine nennenswerte
Einkommensverbesserung für die Markgenossen durch den Betrieb der Rennfeueröfen war
nicht gegeben. Es handelte sich dabei um die Gewinnung von Eisenerz für den Eigenbedarf.
14. Jahrhundert
Urkundlich wird Oberveischede erstmalig 1347 genannt. In diesem Jahr kaufte der Pastor
Rotger zu Helden von Franko von Heggen Güter in Oberveischede “Teggigausen ”. Der selbe
Pastor kaufte am ersten Dezember 1354 von den Brüdern Heidenrick und Heinrich von
Welschenneste eine Rente auf Rötgers Gut zu Oberveischede. Es handelte sich dabei um
Zinsen auf eine Hypothek. Er wäre damit nachweislich der früheste Geistliche der aus
Oberveischede stammte.
Am 19.08.1420 verkaufte Gottfried von Ewig an den Probst des Regularkanoniker zu Neuss,
die das Kloster Ewig in Sitz nahmen, einen Hof zu Oberveischede – Kinsgut genannt. Am
selben Tage schenkte Engelbert von Plettenberg sein Gut in der Steinmecke zu
Oberveischede an das Kloster Ewig. Diese Güter waren Lehengüter – also nicht frei Eigen.
Sie wurden nach Verkündigung der Bauernbefreiung durch den Reichsfreiherrn von und zum
Stein 1816 von den Kolonnen für wenig Geld freigekauft und sind seitdem Bauernhöfe.
Nach einer Liste, die heute im Staatsarchiv Münster liegt und den Stand von 1536 angibt,
betrug die Schatzung für “Overen Feischeid”
Hans Heidbring 3 ½ gg
Johann sein Bruider 1 gg
Volmeken Hans 1 gg
Eyms Peter 1 gg
Pauwell 1 gg
Volmar der Hierde 1 gg
Hans Solbaich samt seinem Bruder 3 ½ gg
Johan Reymberge 1 gg
Heinrich in der Steinbaich
samt seinem Sohn Thoenes 2 ½ gg
Von 1563 an ist das Register umfangreicher, weil vielleicht ein Teil des von 1536
verlorengegangen ist, es sind außer den Namen von 1536 noch folgende enthalten:
Johan Vule 11/2 gg
Volmiken Thonis 11/2 gg
Volmar Hirde 1 ort
Hans Selbach 3 gg
Evert Clemens 21/2 gg
Hans Kuse 2 gg
Dorfhierde 1 ort
Johann Heder 1 gg
Joist Gronewich 2 ort
Der Hane 1 ort
Schröder 2 ort


16. Jahrhundert
Dieses Jahrhundert war insbesondere durch die Hexenverfolgung gekennzeichnet. Von
Oberveischede ist zwar kein Fall bekannt, aber aus dem benachbarten Rieflinghausen. Den
Anschluss gaben in den meisten Fällen die Dorfklatschereien.
Dazu kam ein noch größeres Unheil: Die Pest.
In dem strengen Winter 1572 / 73 brach sie zuerst aus und viele Menschen wurden mangels
vorbeugender Maßnahmen ihr Opfer. Das schlimmste Pestjahr im Veischedetal war das Jahr
1598/99. Es liegen für Oberveischede keine Zahlen vor, es müssen aber nach der
mündlichen Überlieferung viele gewesen sein.


17. Jahrhundert
Der Churfürst Ernst war ein besonderer Förderer des Bergbaues und kam am 17.Mai 1603
nach Oberveischede um einen Erdstollen zu besichtigen. Der Winter 1603 war besonders
streng. In Oberveischede erfroren zwei alte Leute. Außerdem kam viel Vieh in de Ställen um.
1606 wurde das Dorf von spanischen Reitern geplündert.
Aufgrund der Notlage wollten manche Bewohner dem Aufruf der Kaiserin Maria Theresia zur
Aussiedlung in das Banat. In den entsprechenden Listen, die heute noch in Wien aufbewahrt
werden, sind auch einige Namen aus Oberveischede. Zunächst waren es 1765 – 11 Familien
und zwar:
1 Johann Rump
2 Peter Rump
3 Friedr. Rump
Jacob Rump
4 Franz Bender
5 Hermann Koch
6 Friedr. Hipper
7 Jos. Kebbekus
8 Math Kuse
9 Petersiller (wohl Peter Sieler)
10 Joh.Hch. Schneider
11 Hch. Springer
1767 folgten dann:
1 Heinrich Miller (wohl Müller)
2 Anton Poff
3 Johann Schmidt
4 Johann Schumacher
5 Hch.Bender
6 Johann Hipper
7 Franz Kebbekus
Die Not muß schon sehr groß gewesen sein, wenn ca. 1/3 des gesamten Familienstandes
des Dorfes diesen Schritt getan hat.

19. Jahrhundert
Als Napoleon den Krieg gegen Russland begann, zogen monatelang französische Truppen
durch den Ort. Die Bauern mußten Gespanne stellen. Die übrige Bevölkerung wurde ständig
zu Wegearbeiten herangezogen und nagte bald am Hungertuch. Die alte Landstraße, die von
den Truppen benutzt wurde, verlief von Neuenwald übers Längelscheid zum Winterscheid
und durch den hohlen Weg ins Dorf. Dieser Weg heißt noch heute Napoleonweg.
1849 wurde von der Gemeinde die Repetalstraße gebaut; sie mündete beim Lindenhof in die
Heeresstraße ein. Über die Veischede wurde eine gewölbte Brücke gebaut.
Schon seit dem Mittelalter holten die Bauern im Winter Kalksteine von Mecklinghausen und
brannten diese im Sommer zu Branntkalk. Durch den Bau der Repetalstraße wurde der
Transport von Kalk wesentlich erleichtert. Dadurch fuhren nun auch die Fuhrleute aus dem
Olper und Wendschen Land über Oberveischede, wodurch die Bauern bedeutend mehr
Vorspanndienste machen konnten, als bis dahin, die eine gute Nebeneinnahme darstellten.
Weil die Fuhrwerke beim Lindenhof meist warten mußten, bis der Vorspann kam, erbaute der
Besitzer des Lindenhofes Heller einen großen Anbau mit Gaststube, Fremdenzimmern und
Saal, wodurch das Dorf einen passenden Versammlungsraum erhielt. Es war damals der
einzige Gasthof im Dorf und bestand schon seit 1722.
Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren in dieser Zeit sehr schlecht, so daß einige Bewohner
nach Amerika auswanderten. Der erste war 1836 Josef Lüttike mit Frau und sechs Kindern.
Ihm folgten 1845 Johann Schneider – genannt Lingenhoff mit Frau – Margret geb. Hacke –
mit Kind Josef und Familie Valentin Schneider.
1913 wurde auf Veranlassung des Kreisausschusses die erste Wasserleitung gebaut. Dazu
wurden 30 Morgen Wald, die die Staatsforstverwaltung den Bauern als Rechtsnachfolgern
der früheren Märker als Abfindung für das noch bestehende Huderecht in den
Staatswaldungen gegeben hatte verkauft.
In dem ersten Weltkrieg wurden aus dem Dorf 22 Männer eingezogen, von denen sechs nicht
zurückkamen. Die Losungen Hitlers und seiner Leute fanden im Dorf nur wenig Boden. Die
Mehrheit lehnte ihn ab und einige Verwegene leisteten offenen Widerstand. Im zweiten
Weltkrieg waren aus dem Dorf 83 Teilnehmer eingezogen – fast ein Drittel der Bewohner.
Von diesen sind 26 Gefallen, 6 Vermißt; aus einzelnen Familien mußten zwei und auch drei
ihr Leben lassen. Aus zwei Bauernfamilien fiel der einzige Sohn und Erbe. Am 8. Aug. flog
zwischen den Häusern Naber und Seiwerts eine Bombe ein und hinterließ ein tiefes Loch.
Das Dach und die Fenster der Häuser Naber Hacke und Stupperich waren schwer zerstört.
Am 27.März 1945 erhielt ich eine private Nachricht, daß die Amerikaner auf dem Vormarsch
auf Siegen und Olpe seien. Am anderen Tag hörten wir Geschützdonner und
Bombenexplosionen und erfuhren bald das Olpe bombadiert sei. Am 29. März wurde das
Dorf von Fliegern beschossen. Die Dachstühle von den Häusern Schneider und Belke, sowie
die Scheune von Bicher brannten ab. Personen kamen nicht zu Schaden. Am 6. April wurde
durch Artilleriefeuer die Vikarie und die Scheune von Belke beschädigt. Am 10. April kamen
die Amerikaer von Süden her und nahmen das Dorf ein. Vom Schmellenberg her wurden
Schüsse aus Panzergeschützen auf die am Hüttenberg stehende Flakmannschaft
abgegeben, die von dieser erwidert wurden. Dabei wurde ein Soldat getötet. Am Hüttenberg
hatten sich noch einige Deutsche verborgen und schossen ins Dorf als die Amerikaner schon
hier waren. Das hätte für das Dorf leicht schwere Folgen haben können. Die insgesamt 17
Soldaten, die in den Häusern versteckt waren, ergaben sich dann und wurden von den
Amerikanern abtransportiert.
Schon vor dem Einmarsch der Amerikaner kamen viele kriegsdienstverpflichteten Russen
und Polen in den Ort und plünderten einige Häuser. Wir hatten im Dorf eine zivile Wehr
gebildet und pattroulierten Tag und Nacht zu dritt durch das Dorf. Es gelang uns mehrfach
Plünderungen zu verhindern. Am Weißen Sonntag war es noch möglich, die Kinder
unbehelligt zur heiligen Kommunion zu führen.
Damit will ich die Geschichte des Dorfes in der Hoffnung abschließen, dass spätere
Generationen sie weiterführen.

50 Jahre Dorfentwicklung von Oberveischede

 

Jahr Termin / Projekt / Ereignis Jahr Termin / Projekt / Ereignis
1969 Kom. Neugliederung (Gemeinde Helden --> Stadt Olpe) 2006 Erlass der Gestaltungssatzung
1972 Errichtung Kindergarten in der ehemaligen Volksschule 2007 1. Veischedetaler Maibaumfest
1974 Erster Meisterchortitel des MC Liederkranz 1892 2008 Grundsanierung des Pumpenhauses des WBV
1976 Bau der Dorfgemeinschaftshalle 2008 1. Dorfzeitung (jährliche Ausgabe)
1977 Errichtung der Schutzhütte und des Grillplatzes 2008 Umgestaltung Kindergartenspielplatz
1982 Neubau des Feuerwehrhauses und des Dorfplatzes 2009 Renovierung der Dorfgemeinschaftshalle
1982 Übertragung des Weidekampes an den WBV 2009 Teilnahme am Landesdorfwettbewerb (Silber)
1983 Bau der Umgehungsstraße B 55 2010 Neuausrichtung der Dorfgemeinschaft e.V.
1984 Errichtung des Feuchtbiotops am Ortsrand 2010 Erweiterung und Renovierung Kindergarten
1986 Bau des Pfarrheims der Katholischen Kirchengemeinde 2011 Beginn Breitbandversorgung (DSL on air)
1995 Ausweisung des Neubaugebiets Mesterfeld 2012 Teilnahme am Landesdorfwettbewerb (Gold)
1995 Umwandlung des Kirchenwaldes in einen Laubwald 2012 Gründung WFU (Wir für uns - in Oberveischede)
1996 Errichtung der Marienstatue auf dem Renneberg 2013 Zertifizierung Veischeder Sonnenpfad
1996 Bau der zentralen Kanalisation und der Kläranlage 2013 Gründung des Friedhofsvereins
1997 Teilrenovierung des Friedhofs 2013 Teilnahme am Bundesdorfwettbewerb (Silber)
1997 Renovierung der Marienkapelle auf dem Renneberg 2014 Grundsanierung des Hochbehälters des WBV
1998 Renovierung der Pfarrkirche 2014 Renovierung der Vikarie in Eigenleistung
2001 Tiefenbohrung des Wasserbeschaffungsverbandes 2014 Unterbringung von zwei syrischen Familien in der Vikarie
2002 Gründung der Dorfgemeinschaft Oberveischede e.V. 2015 Abriss und Neubau Clubhaus Sportverein
2002 Rückbau der ehemaligen B55 in eine Dorfstraße 2016 Installierung First Responder der örtlichen Löschgruppe
2003 Start des Dorfmarketing-Projektes 2017 Ausweitung der Spielgemeinschaft LOK auf die Senioren
2003 Start der website www.oberveischede.de 2018 Umwandlung Männerchor in Gemischten Chor
2003 Erweiterung des Pumpenhauses des WBV 2018 Teilnahme am Landesdorfwettbewerb (Silber)
2004 Bau des Kunstrasenplatzes 2018 Start 2. Dorfentwicklungsprojekt
2004 Errichtung des Maibaumes der Vereine 2019 6. Tag der Dörfer Südwestfalens in Oberveischede
2004 Erweiterung / Neubau des Feuerwehrhauses 2019 Inbetriebnahme des Breitbandnetzes (100 Mbps)
2004 1. Dorfaktionstag "Oberveischede neu erleben" 2019 Ausweisung des Baugebietes Am Knapp
2005 Neugestaltung des Dorfplatzes 2019 Feier der 50-jährigen Zugehörigkeit zur Stadt Olpe
2006 Teilnahme am Landesdorfwettbewerb (Bronze) 2019 Anbau Kindergarten
2006 Gründung der "Heimatfreunde Oberveischede" 2019 Neugestaltung Kindergartenspielplatz
Herausgeber:
Dorfgemeinschaft Oberveischede e.V.
Meinolf Kühr
Mesterfeld 3
57462 Olpe-Oberveischede
dorfgemeinschaft@oberveischede.de
 
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