GC Oberveischede als positives Beispiel

„Ein positives Beispiel, wie man Probleme bewältigen kann, ist der MGV Oberveischede. Hier wurde in einem mehrmonatigen Prozess der bestehende Männerchor in einen funktionierenden Gemischten Chor umgewandelt.“

Mit diesen Worten wird Günter Haase als Vorsitzender des MGV Sängerbund Heggen in dem Bericht der WP vom 29. April zitiert.

Gemischter Chor als letzte Rettung

MGV Sängerbund: Heggener Männerchor fehlt wie vielen anderen Vereinen der Nachwuchs. Durchschnittsalter reicht an die 70 Jahre. Gremium gegründet

Martin Droste
 

Heggen. Günter Haase ist immer noch beeindruckt, wenn er an die fünftägige Franziskus-Chorreise vor einigen Wochen nach Rom denkt. „Das war ein Erlebnis“, erinnert sich der Heggener vor allem an den Auftritt des von Musikdirektor Michael Rinscheid geleiteten Männerchores mit 53 Sängern. Auch das Konzert mit dem Gemischten Chor in der Basilika St. Ignatius wird der 73-Jährige nicht so schnell vergessen. „Das war fantastisch.“

Bei der Fahrt über Karneval nach Rom mit dem Franziskus-Chor, einem Zusammenschluss von zehn Chören von Musikdirektor Michael Rinscheid, konnte Günter Haase für kurze Zeit die großen Probleme seines MGV Sängerbund Heggen hinter sich lassen. Der traditionsreiche Männerchor von 1902 war mit 16 Sängern in Italien dabei. Das sind mehr als die Hälfte aller aktiven Mitglieder.

Eine Zahl, die das Grundproblem des MGV Sängerbund verdeutlicht. „Der Männerchorgesang hat wohl mit Blick auf die allgemeine Entwicklung der letzten Jahre mangels Sängernachwuchs in vielen Orten keine Zukunft mehr“, hatte Vorstandssprecher Günter Haase schon auf der letzten Jahreshauptversammlung des Vereins ein düsteres Bild gemalt. Wie vielen anderen Männerchören fehlt den Heggenern der Nachwuchs. „Die jungen Leute gehen lieber in einen Gemischten Chor“, macht sich Haase, der seit 20 Jahren im MGV Sängerbund aktiv ist, nichts vor.

Noch 29 aktive Sänger

Das Durchschnittsalter ist beim Heggener Männerchor hoch und beträgt fast 70 Jahre. Zu seinen Glanzzeiten hatte der MGV in den 50er-Jahren 90 Sänger. Jetzt sind es nur noch 29. „Wenn alle da sind“, sagt Vorstandssprecher Haase. „Unser Chor ist noch leistungsfähig und hat den nötigen Chorausgleich, aber nur dann, wenn alle Sänger regelmäßig zur Probe kommen und zu den Auftritten erscheinen“, beschrieb der 73-Jährige auf der Jahreshauptversammlung den Ist-Zustand. Aber schon die nahe Zukunft sieht Haase „in Gefahr“. Und dazu gehört vor allem das 120-jährige Jubiläum in drei Jahren.

Den Ausweg aus diesem Dilemma sehen die Verantwortlichen in der Umwandlung des reinen Männerchores in einen Gemischten Chor. Beispiele dafür gibt es im Kreis Olpe genug. Zuletzt hat sich der MGV Cäcilia Attendorn mit dem Frauenchor Neu-Listernohl zusammengetan. Haase hat auch die Entwicklung in Oberveischede verfolgt. „Ein positives Beispiel, wie man Probleme bewältigen kann, ist der MGV Oberveischede. Hier wurde in einem mehrmonatigen Prozess der bestehende Männerchor in einen funktionierenden Gemischten Chor umgewandelt.“

Den ersten Schritt auf diesem Weg hat der MGV Sängerbund getan. Ein Gremium „Zukunftssicherung“ wurde gegründet und soll sich intensiv mit dem Thema beschäftigen. Eine Schnupperprobe ist geplant. Beim Fest zum Heggener Dorfjubiläum am 1. Mai können sich Interessierte am Infostand des MGV informieren und in eine Liste eintragen. Für Anfragen steht Günter Haase (02721-7775) bereit. Er hat einen Aufruf über Facebook gestartet. „Ich bin zuversichtlich, dass sich viele melden.“

Schnitt und Chance zugleich

„Das ist natürlich ein Schnitt“, macht sich Haase nichts vor und schließt nicht aus, dass der eine oder andere Sänger aufhören wird. „Aber das ist auch eine Chance. Wenn wir weiter bestehen wollen, müssen wir reagieren“, gibt es für den Heggener nur eine Alternative. Und diese Alternative heißt: Einstellung des Vereinsbetriebs in ein oder zwei Jahren.

„Eine fast 120-jährige Vereinsgeschichte geht dann zu Ende“, beschreibt der Vorstandssprecher das wahrscheinliche Szenario. Die Sänger haben offensichtlich verstanden. Jedenfalls war Günter Haase „überrascht von der positiven Reaktion“.